Verschiebt den Valentinstag!

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14. Februar. Valentinstag. Oder Feiertag der Floristen, Parfumerien, Süßwaren-, und Dessousgeschäfte. Der Brauch, sich an diesem Tag etwas zu schenken, ist gerade einmal 70 Jahre alt, und damals nach dem 2. Weltkrieg durch den Blumen-, und Süßwarenhandel nach nordamerikanischen Vorbild im deutschsprachigen Mitteleuropa etabliert und kommerzialisiert worden.

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Das soll jetzt aber nicht dazu führen, diesen Tag und die damit verbundenen Bräuche zu verteufeln, aber vielleicht dazu anregen, ihn und sie kritisch zu hinterfragen.
Wir verschenken Blumen. Schnittblumen. Im Februar. Ja, wir haben klimabedingt einen sehr milden Februar. Trotzdem blühen derzeit noch keine Rosen – und das sind die am häufigsten verschenkten Blumen zum Valentinstag – in Wien, zumindest nicht in der freien Natur. Also gibt es 2 Möglichkeiten, den Bedarf für den heutigen 14. Februar zu decken:

  1. Rosen aus dem Gewächshaus, oder
  2. Rosen die importiert werden

Und bei allem Willen und Wunsch, die heimische Produktion zu stärken, wäre es aus umweltpolitischen Gründen eigentlich besser, auf importierte Blumen zurückzugreifen. Warum? Weil aus Afrika oder Lateinamerika importierte Fairtrade-Rosen die Umwelt weniger belasten, als jene aus niederländischen Gewächshäusern, zeigt eine Studie. Was aber nicht bedeuten soll, dass die Rosenproduktion in Billigländern eine gute Sache ist, ganz im Gegenteil. Selbst das Fairtrade Siegel sagt nichts darüber aus, ob die Blumen im Herkunftsland nachhaltig angebaut werden, ob die Bevölkerug den riesigen „Wasser-Rucksack“ einer einzelnen Rose nicht mit Trinkwassermangel bezahlt. Ein Großteil der Blumen, die wir in Österreich jedes Jahr kaufen, kommt aus ebensolchen Billigländern und wird über riesige Blumenauktionen in den Niederlanden nach Österreich importiert. Das ist möglicherweise* auch der Grund, wieso die WKO behaupten kann, dass 90% der Blumen aus Europa kommen. Stimmt ja irgendwie. Die Blumen waren halt vorher in z.B.: Kenia, aber haben einen Zwischenstopp in den Niederlanden eingelegt → also aus Europa (Was ja – selbst wenn es stimmt – kein Grund zur Freude wäre, siehe Klimabilanz der Gewächshausrosen aus Europa im Winter).

Was tun wir also, um nicht selbst Teil dieses unnötig-klimaschädlichen Kreislaufs zu werden?

Einfach am Valentinstag keine Blumen schenken. Punkt.

Suchen wir uns einen anderen Tag des Jahres (oder mehrere andere??), an dem Blumen geschenkt werden. Vielleicht einfach immer dann, wenn die jeweilige Pflanze auch Saison hat.

*ich warte seit 9:30 auf einen Rückruf zu dieser Behauptung von der zuständigen Abteilung in der WKO (Stand 15:45)

Digitalradio in Österreich – Viel, aber (noch) keine Vielfalt

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„Mit dem heutigen Tag ist ein wichtiger Meilenstein erreicht…“

„Das Radio der Zukunft ist in der Luft“

„Digitalradio bringt eine neue Vielfalt“

Am 28.5. ist – nach mehrmaliger Verschiebung – Digitalradio auch in Österreich angekommen. Vorerst im Testbetrieb. Vorerst einmal nur im Großraum Wien. Trotzdem können wir uns ja schon einmal anschaun was denn da auf uns zukommt. Gleich vorab: Im Osten nichts neues. Wenn DAS Digitalradio ist, hat niemand drauf gewartet…

Wer kann es empfangen?

Nur Personen mit DAB+ Empfangsgeräten. Irgendwie logisch. Wie viele das in Österreich sind ist nicht klar – orientieren wir uns jedoch an unserem Nachbarland Deutschland, so hat der durchschnittliche Bürger knapp 4 UKW Radiogeräte im Haushalt. DAB+ fähige Endgeräte hingegen finden sich bei jedem 20sten Bürger, also bei knapp unter 5% (Quelle: Digitalisierungsbericht 2013).

Ein DAB+ Gerät in der günstigsten Version kostet ab 25€, aber auch diese Summe sollte sich rentieren.

Was habe ich von DAB+?

neue Vielfalt

Ähm…Nein. 15 Programme sollten es sein (Ich kann auf meinem DAB+ Endgerät nur 13 empfangen) und zwar folgende:

DAB ProgrammeDazu kann ich nach 3 Tagen Hörrecherche sagen:

    • Keins dieser Programme gibt es nicht auch als Livestream im Netz
    • Der Großteil der Programmveranstalter bespielt sein DAB+ Programm ganz einfach mit dem UKW Livestream bzw. mit bereits im Netz verfügbaren Webradios
    • Zum Großteil wird eine Musikplaylist ohne Content geliefert. Also genau das, was es via Spotify, etc…schon längere Zeit gibt. Auch kostenlos.

Bessere Empfangsqualität

Jein.

Es stimmt natürlich dass es beim Digitalradio – anders als bei der UKW Übertragung – nur Empfang oder keinen Empfang gibt. Also Rauschen ist von gestern. Bleibt die Frage ob im Zweifelsfall nicht ein leichtes Rauschen besser ist, als gar kein Signal wenn gerade ein spannender Beitrag läuft.
Nachdem seitens der Programmmacher aber offenbar ohnehin nicht auf Inhalte, sondern Musik gesetzt wird ist diese Frage obsolet. Bleibt also die Übertragungsqualität als Kriterium und – verzeihen Sie die Ausdrucksweise – da kackt DAB+ so richtig ab.

Um nämlich die hochgepriesene Vielfalt erst möglich zu machen – rein technisch können auf einer Frequenz auf der bisher nur 1 UKW Sender Platz hatte gleich 18 digitale Programme senden – ist eine Veränderung der gesendeten Datenmenge notwendig. Diese Veränderung hat zur Folge dass keiner der Programmveranstalter von DAB+ in Österreich mit einer Qualität oberhab von 72kb/s sendet, was – gelinde gesagt – nicht einmal für Schweinsohren ohne Sinn für Musik ansatzweise erträglich ist.

Zum Vergleich: Kaum ein Internetradio sendet heutzutage noch unterhalb von 128kb/s, selbst die von den selben Programmmachern parallel im Netz ausgestrahlten DAB+ Programme kommen online auf eine bessere – weil höhere – Klangqualität als over the air. (Bsp.: Radio Melodie sendet via DAB+ in 72kb/s, online jedoch mit 128kb/s)

Update, 1.6.2015, 15:20:
Alexander Seiberler hat mich via FB auf einen Recherchefehler hingewiesen, was meinen Vergleich der Kodierung angeht. Hier seine Kritik:

Alex Krtik

Somit liegt die subjektiv empfundene schlechte Klangqualiät eher an meinem Endgerät als am Kodierungsverfahren. Oder aber es liegt an einer doppelten Kompression, da das Musiksignal an sich ja bereits mit einem bestimmten Verfahren digitalisiert wurde und im Anschluss erneut für die Ausstrahlung via DAB+ komprimiert wird.

Mehr Zusatzdienste und Interaktivität

Nein – für den momentanen Testbetrieb.

Ja – für die Zukunft, wenn sich DAB+ über den Testbetrieb etablieren kann. DAS wäre u.a. möglich:

  • Infos zu Verkehrslage
  • Plattencovers
  • Interpreteninfos
  • Record-Funktion und zeitversetztes Radiohören
  • Programmergänzende Infos können via Radiodisplay angezeigt werden

Mein Resümee

So wie DAB+ derzeit in Österreich (Zugegeben: seit wenigen Tagen…im Testbetrieb…) gemacht wird bringt es keinen Vorteil. Gar keinen.

Ich stelle einmal die gewagte Behauptung auf dass es keinen DAB Haushalt in Österreich gibt, der nicht auch über einen Internetanschluss verfügt.
Ich gehe sogar noch weiter: Ich denke dass es keinen DAB User (bewusst nicht „Hörer“) gibt, der nicht auch das gesamte in Österreich verfügbare Programm an DAB+ Sendern unterwegs am Smartphone via Netz hören kann. In besserer Qualität. Mit sämtlichen Zusatzinfos, die DAB+ jetzt im Testbetrieb noch nicht einmal liefert. Ohne zusätzliche Anschaffung eines Endgeräts.

Weiters denke ich, dass restlos alle Personen, die wissentlich über ein DAB+ Empfangsgerät verfügen, rein von den technischen Fähigkeiten auch in der Lage sind ihr Smartphone mit dem Autoradio via Bluetooth oder analog via AUX Anschluss zu koppeln, was eine automatische Implementierung von Webradio ins Fahrzeug bedeutet.

Wozu also Digitalradio? Ich weiß es nicht, bin aber gespannt. Ich hab mir ja eins gekauft, so wie geschätzte 3 andere Menschen in Österreich…oder vielleicht sind es mittlerweile schon 4.

Amadeus 2014 – Trollen in Abendkleidung

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Gestern Abend is er also verliehen worden…der wichtigste österreichische Musikpreis. Der Amadeus. So wichtig, dass ein nicht kleiner Teil der Sitzplätze leer geblieben ist, dafür die Bar und der Raucherbalkon permanent voll war mit Künstlern die sich sonst immer über mangelnde Beachtung beschweren. So wichtig, dass man ab Showbeginn an der Bar für die sonst freien Getränke zahlen musste, damit eben nicht alle draußen bleiben…so wichtig, dass sich selbst Preisträger aus Österreich  mit einer Videobotschaft aus Graz (!) zuschalten lassen weil sie nicht nach Wien kommen wollen (Zusatz: Gabalier ist auf 3 Tageskreuzfahrt, lassen wir mal gelten). So wichtig, dass manche Radiosender dieses Landes nicht einmal Redakteure für die Veranstaltung abstellen. So wichtig, dass das Hauptgesprächsthema beim Event nicht die Preisträger waren, sondern Elkegate.

Is das nicht absurd?? Da hätte man Grund zu feiern, könnte genießen und was wird getan? Gejammert! Und das sogar von so gut wie jedem Protagonisten der die zweifelhafte Ehre hatte von der Bühne aus in ein Mikrofon zu sprechen. (Früher war alles besser…wir müssen uns ja schon freuen dass es überhaupt noch einen Musikpreis gibt…keine Ahnung wie die Radiolandschaft in Schweden aussieht, aber die schaffen es Weltstars hervorzubringen,…)

Es ist so skurril, dass ein Moderator des – offenbar ja ach so österreichervernachlässigenden – Senders Ö3 mit einem Amadeus als Musikpartner des Jahres ausgezeichnet wird, weil er eine Youtube Playlist mit Moderationsunterbrechungen ins Netz stellt die bald – de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit (nur im Wiener Kabelnetz und das um 23:45) auf dem Wiener Stadt TV-Sender W24 zu sehen sein wird. (Übrigens redaktionell betreut von einer weiteren Ö3 Moderatorin)
Nicht falsch verstehen, als österreichischer Musiker und Medienmensch finde ich diese Idee der Austrozone großartig (habs sogar angeschaut und nicht nur geliked – bei knapp 3000 FB Fans haben das nur – Stand heute 13:10 – 893 gemacht) und bin sogar ein bissl grantig auf den Eberhard weil ich selbst so eine Idee verwirklichen wollte, er war halt schneller und macht das auch wirklich gut, und jede Form der Verbreitungsmöglichkeit für neue Musik ist ausdrücklich zu befürworten! Aber die Kombination aus den beiden Protagonisten Ö3 und Austrozone die sich auf der winzigen Austromusikbühne – zumindest einseitig – bekriegen und hinter den Kulissen die selben Akteure wirken lassen verursacht bei mir einfach nur Kopfschütteln.

Die ganze Veranstaltung gestern im Volkstheater hatte ein bissl was von schmollen in (teilweise) Abendkleidung. Dieses allgemeine Gesudere von Wir hätten doch mehr verdient, man müsste uns nur lassen begleitet die österreichische Musikszene schon viel zu lange.
Würden all diese Anstrengungen in musikalische Energie und Output umgewandelt, die österreichische Musikszene hätte deutlich mehr davon. Stattdessen wird wieder und wieder nach gesetzlichen Quoten gerufen (die btw noch immer nicht möglich ist), nach freiwilliger Selbstverpflichtung etc…wobei völlig vergessen wird dass es dem potenziellen Musikkonsumenten doch absolut egal ist, woher die Musik kommt die er hört.
Ganz im Gegenteil, mit jedem speziellen Hinweis, mit jedem Highlighting, mit jeder Sonderbehandlung wird die Kluft zum Rest noch größer und es wird erst recht eine Sonderstellung erzeugt die man doch zu bekämpfen versucht.

Österreichische Musik ist super. Sie ist genauso schlecht und gut wie Musik aus Deutschland, den USA oder Aserbeidschan. Aber sie hat – IMHO – genau deswegen keine Sonderbehandlung verdient. Weder dass sie ausgeschlossen wird, noch dass sie eine Sendequote bekommt.

Vielleicht ist es meine naive Sichtweise, aber was gut ist, wird sich durchsetzen. Das hat sich auch – zumindest teilweise – gestern beim Amadeus gezeigt. Bei ein paar der wenigen Künstler die nicht permanent jammern, sondern durchgehend hart arbeiten. Und das merkt man… (ab 1:06:30)

Nachsatz vom 20.5.2014:
Leider muss ich das Ende meines Beitrag abändern…gejammert wird nämlich auch dort…