Amadeus 2014 – Trollen in Abendkleidung

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Gestern Abend is er also verliehen worden…der wichtigste österreichische Musikpreis. Der Amadeus. So wichtig, dass ein nicht kleiner Teil der Sitzplätze leer geblieben ist, dafür die Bar und der Raucherbalkon permanent voll war mit Künstlern die sich sonst immer über mangelnde Beachtung beschweren. So wichtig, dass man ab Showbeginn an der Bar für die sonst freien Getränke zahlen musste, damit eben nicht alle draußen bleiben…so wichtig, dass sich selbst Preisträger aus Österreich  mit einer Videobotschaft aus Graz (!) zuschalten lassen weil sie nicht nach Wien kommen wollen (Zusatz: Gabalier ist auf 3 Tageskreuzfahrt, lassen wir mal gelten). So wichtig, dass manche Radiosender dieses Landes nicht einmal Redakteure für die Veranstaltung abstellen. So wichtig, dass das Hauptgesprächsthema beim Event nicht die Preisträger waren, sondern Elkegate.

Is das nicht absurd?? Da hätte man Grund zu feiern, könnte genießen und was wird getan? Gejammert! Und das sogar von so gut wie jedem Protagonisten der die zweifelhafte Ehre hatte von der Bühne aus in ein Mikrofon zu sprechen. (Früher war alles besser…wir müssen uns ja schon freuen dass es überhaupt noch einen Musikpreis gibt…keine Ahnung wie die Radiolandschaft in Schweden aussieht, aber die schaffen es Weltstars hervorzubringen,…)

Es ist so skurril, dass ein Moderator des – offenbar ja ach so österreichervernachlässigenden – Senders Ö3 mit einem Amadeus als Musikpartner des Jahres ausgezeichnet wird, weil er eine Youtube Playlist mit Moderationsunterbrechungen ins Netz stellt die bald – de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit (nur im Wiener Kabelnetz und das um 23:45) auf dem Wiener Stadt TV-Sender W24 zu sehen sein wird. (Übrigens redaktionell betreut von einer weiteren Ö3 Moderatorin)
Nicht falsch verstehen, als österreichischer Musiker und Medienmensch finde ich diese Idee der Austrozone großartig (habs sogar angeschaut und nicht nur geliked – bei knapp 3000 FB Fans haben das nur – Stand heute 13:10 – 893 gemacht) und bin sogar ein bissl grantig auf den Eberhard weil ich selbst so eine Idee verwirklichen wollte, er war halt schneller und macht das auch wirklich gut, und jede Form der Verbreitungsmöglichkeit für neue Musik ist ausdrücklich zu befürworten! Aber die Kombination aus den beiden Protagonisten Ö3 und Austrozone die sich auf der winzigen Austromusikbühne – zumindest einseitig – bekriegen und hinter den Kulissen die selben Akteure wirken lassen verursacht bei mir einfach nur Kopfschütteln.

Die ganze Veranstaltung gestern im Volkstheater hatte ein bissl was von schmollen in (teilweise) Abendkleidung. Dieses allgemeine Gesudere von Wir hätten doch mehr verdient, man müsste uns nur lassen begleitet die österreichische Musikszene schon viel zu lange.
Würden all diese Anstrengungen in musikalische Energie und Output umgewandelt, die österreichische Musikszene hätte deutlich mehr davon. Stattdessen wird wieder und wieder nach gesetzlichen Quoten gerufen (die btw noch immer nicht möglich ist), nach freiwilliger Selbstverpflichtung etc…wobei völlig vergessen wird dass es dem potenziellen Musikkonsumenten doch absolut egal ist, woher die Musik kommt die er hört.
Ganz im Gegenteil, mit jedem speziellen Hinweis, mit jedem Highlighting, mit jeder Sonderbehandlung wird die Kluft zum Rest noch größer und es wird erst recht eine Sonderstellung erzeugt die man doch zu bekämpfen versucht.

Österreichische Musik ist super. Sie ist genauso schlecht und gut wie Musik aus Deutschland, den USA oder Aserbeidschan. Aber sie hat – IMHO – genau deswegen keine Sonderbehandlung verdient. Weder dass sie ausgeschlossen wird, noch dass sie eine Sendequote bekommt.

Vielleicht ist es meine naive Sichtweise, aber was gut ist, wird sich durchsetzen. Das hat sich auch – zumindest teilweise – gestern beim Amadeus gezeigt. Bei ein paar der wenigen Künstler die nicht permanent jammern, sondern durchgehend hart arbeiten. Und das merkt man… (ab 1:06:30)

Nachsatz vom 20.5.2014:
Leider muss ich das Ende meines Beitrag abändern…gejammert wird nämlich auch dort…