Die Polizei, mein Freund und Helfer

Standard

Ich möchte vielleicht gleich mit einem Zitat unseres Beraters beim KriPo Beratungsdienst beginnen:

„Der Hausflur ist ein gefährlicher Tatort“

Eigentlich hat alles recht gewöhnlich begonnen:
Das Mietshaus in dem ich wohne verfügt über keinerlei Gegensprechanlage oder Türöffner. Sprich: Die Tür ist entweder offen (also tatsächlich für Jedermann ohne Schlüssel aufzumachen) oder versperrt, also nur Personen mit Schlüssel kommen hinein. Auch keine Polizei, Feuerwehr, Rettung, Gaswerk, GIS, MA48, Post, etc…

Unter den Mietern hat sich daher ein Hausbrauch etabliert die Türe so ab 6:00 bis etwa 21:00 offen zu lassen. Nur hat sich dieser Hausbrauch scheinbar auch in der Margaretner Unterwelt herumgesprochen, was mehrere Fahrraddiebstähle und auch 2 Wohnungseinbrüche zur Folge hatte. Allesamt eher unangenehm und in Hinkunft nach Möglichkeit zu vermeiden. Was also tun? Ein kostenloses Angebot der Stadt nützen und sich vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst beraten lassen. Das sollte der ja können…die Betonung liegt auf SOLLTE…

Als ein – mit zahlreichen Amtswegen bereits vorbelasteter, und die Polizei noch immer für ein Amt haltender – Bürger der ich bin, wusste ich freilich dass es einem Affront gleichkäme, einfach zu den ausgeschriebenen Öffnungszeiten aufzutauchen und um Beratung zu bitten. Daher also der Griff zum Telefon und einen Termin ausmachen. Bei diesem Telefonat – das mich kurzfristig von der Gesprächshaltung in meine Bundesheerzeit zurückversetzte – hat es mich erstmals positiv überrascht, jedoch hätte es mich auch gleichzeitig misstrauisch werden lassen sollen…man braucht nämlich keinen Termin: (wieder ein Zitat)

„Einfach vorbeikommen!“

Gesagt getan, Freundin gepackt, und ab in die Andreasgasse, wenige Tage vor Weihnachten (zugegeben, man kann bessere Termine finden um sich in der Gegend rund um die MaHü aufzuhalten, aber ich bin nach wie vor der Meinung dass Sicherheitstüren, Balkenschlösser und Alarmanlagen nicht unter die Top3 Weihnachtsgeschenke fallen und somit mit keinem besonderen Kundenaufkommen zu rechnen sein sollte – ich sollte recht behalten) und hinein in die gute Stube des Kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes.

Was folgte war eine förmliche und doch distanzierte Begrüßung eines zur Beratung und Kriminalprävention verdonnerten Beamten. Nach der Erwiederung des Grußes meinerseits wurde der Hinweis auf mein Anliegen mit einem „Na da schick ma amal wen vorbei, oder?“ beinahe abgeschmettert. Ich jedoch – vorbereitet auf derartige Beratungsverweigerungsversuche – konterte mit einem „Na ich würde aber gerne jetzt drüber sprechen, hätte mir auch schon Gedanken gemacht, wenn Sie kurz Zeit haben…“

STILLE

Beamter: „Na ja…bitte!“
Ich: „Darf ich mich kurz setzen und Ihnen das skizzieren was ich mir überlege? Haben Sie Zettel und Stift?“
Beamter: „Na erzählns ma’s amoi…“
Ich: (nach wie vor stehend) „okay…“ (setze mich demonstrativ hin, Beamter macht jedoch keine Anstalten sich zu setzen, erst nachdem ich ihn mit eindeutigen Gesten dazu auffordere willigt er – sich seufzend setzend – ein…)
Beamter: „Na das geht ned, wegen dem Hausbetretungsgesetz!“
Ich: „Das was?“
Beamter: „Das Hausbetr…“
Ich: „Was is das und was steht da drinnen??“
Beamter: „Na das googlens am besten dann daheim…“
Ich: „Alles klar…“
Beamter: „Na in jedem Fall geht das nicht weil jeder der ein berechtigtes Bedürfnis (sic!) hat das Haus zu betreten muss das auch können…“
Ich: „Also was kann ich machen um das Haus zu schützen? Videoüberwachung??“
Beamter: „Na das hilft schon, aber das dürfens ned, Datenschutz““
Ich: „Ah okay…na das braucht ja keiner wissen!“
Beamter: „Ja aber das dürfens ja dann ned verwenden! Außerdm lacht ihnen der Bursche dann in die Kamera bevor er im Hausflur die Kinder in den Keller zaht oder in der Ecke eine Dame (Blick fällt auf meine ohnehin schon verängstigte Freundin) vergewaltigt!“
Ich: „äääähm…“
Beamter: „Aber vielleicht is das doch gut, dann hamma wenigstens ein Bild von einem Täter!“
Ich: „Okay, also Video?“
Beamter: „Ja!“
Ich: „Und dass ma irgendwie das Haustor elektronisch mit einem Chip zugänglich macht?“
Beamter: „Na das geht sicher, da gibts auch so a Firma die das macht aber da weiss ich nicht ob die Müllabfuhr und so den Chip auch hat, da müsstens sich erkundigen! Aber wissens eh, wenn der Chip amal bei den Tätern is machens den 100x und scho is des wertlos…“
Ich: „Aha…okay…also eigentlich kann ma nix machen?“
Beamter: „Genau – außer die eigene Wohnung schützen!“
Ich: „Sicherheitstür?“
Beamter: „Genau, Klasse 3 oder 4!“
Ich: „Was is der Unterschied?“
Beamter: „4 is besser!“
Ich: „Aha…und alles drunter is schlecht?“
Beamter: „Ja, das kann ma aufschneiden! Und auch diese Zusatzschlösser…die Täter sind brutal, wenns des so halbat aufmachen…die verwenden Gewalt…immer mehr“
usw….

Uns wurde keine Sicherheitstür gezeigt (obwohl es ein Schauraum ist), kein Schloss erklärt, keine Firma empfohlen, kein Informationsmaterial mitgegeben, keine Hilfe angeboten, keine Förderung erklärt, einfach NICHTS! Außer: Angst! Die wurde geschürt! Vielen Dank liebe Polizei!

Vielleicht sollte man die Beamten nicht strafweise zur Prävention versetzen…genau DORT gehören gute Leute hin und keine desinteressierten, arbeitsscheuen und unfreundlichen sowie inkompetenten Schwammerln!

Aber als kleine Entschuldigung muss ich schon sagen: Es gibt auf der Homepage des Bundeskriminalamts das BKA zum selber basteln!

DIY - BKA

DIY – BKA

Das hilft bestimmt!

4 Gedanken zu “Die Polizei, mein Freund und Helfer

  1. Mia

    In Wien sind „Dank“ des Z-Schlüssels der überall erhältlich ist, jedes Haus, ausser wirklich versperrte, über die Sprechanlage zugänglich. Da in Österreich durch die noch immer nicht ordnungsgemäß umgesetzte Briefkastenverordnung EN 13724, die den Z-Schlüssel durch die Verlegung der Briefkastenanlage in einen öffentlichen Bereich, obsolet macht, ist es egal, ob du in einem Haus wohnst, das ein Schloss hat oder nicht. Eingebrochen kann und wird überall.
    Aber wahrscheinlich weiß das der zwangsversetzte Beamte auch nicht.
    Eine Zwischentüre mit einem Schloss, dass nur die Hausbewohner aufsperren können, ist bei weitem effektiver als jede Videoüberwachung.

    • Hi Mia! Danke für Dein Comment! Selbige Gedanken sind mir auch durch den Kopf gegangen, also quasi eine Schleuse einzubauen, Briefkästen und Mistkübel vor in diese Schleuse hineinzusetzen und die ganze Geschichte ist beendet…leider stellt sich das offenbar nicht ganz so einfach dar, weil Wien Energie (Gas), Postzusteller und Einsatzkräfte hinein müssen wenn es notwendig ist und das wäre ja dann nicht mehr gegeben. (Is es zwar jetzt in den Nachtstunden auch nicht, aber das scheint das Gesetz nicht zu stören, in der Nacht gibt es ja offenbar keine Gaslecks, Herzinfarkte oder Polizeinotfälle…)

      btw. „Begeh-Card“ nennt sich der Z-Schlüssel 2.0…

      • Mia

        Absolut richtig. Das Gesetz ist ein Relikt aus alten Zeiten, als es noch Hausbesorger gab, denn es setzt nicht fest wer den Eingang versperren muss und ist quasi eine Empfehlung. Die wenigsten haben davon je gehört …
        Zu Wien Energie oder Einsatzkräften: Da wird dann solange bei Nachbarn geläutet, bis einer öffnet. Das ist nicht das Problem.

        Bei der neuen Situation der EN 13724 soll im Rahmen der Postliberalisierung allen Dienstleistern die Möglichkeit gegeben werden zuzustellen, d.h. die Fläche ist dann für jedermann zugänglich, so wie es auch in anderen Ländern der Fall ist. Nur weil man jetzt genormte neue (graue) Kasterln statt den goldenen Büchsen der Post hat, ist die EN noch nicht erfüllt! Ein Z-Schlüssel 2.0 zu machen ist pervers, da es diesen gar nicht mehr geben sollte. Man sperrt Einbrechern selbst die Haustür auf und wundert sich, wenn sie die Gelegenheit nutzen.
        Ein Problem sind die Altbauten, wo es keinen Müllraum gibt, der extern zugänglich ist und da hat man dann wieder die ungebetenen Besucher …

      • Bei uns könnte man nicht mal bei den anderen läuten…da gibts keine Glocke! Bei niemandem…ich bin gespannt, ich werd mich jetzt mal bei einer Sicherheitsfirma beraten lassen die hoffentlich mehr Erfahrung hat als der KriPo Beratungsdienst…

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